Gedankenfetzen | Stadtteilgefühle **

Stadtteilgefühle – ein anderes Berlin |

Mittwoch, 27.02.2019 – 14:46

Mitte. Ich weiß nicht so genau wo die M1 abfährt, also laufe ich weiter und suche eine andere Haltestelle. Aus meinem Rucksack schon ausgepackt, an meiner Schulter hängend meine (analoge) Kamera. Gut, dass ich nicht sofort die Tram genommen hab. Auf dem Weg zur übernächsten Haltestelle habe ich noch einige Stimmungen fotografisch festgehalten.

Eingestiegen. 

Die Bahn bringt mich in ein anderes Universum. Sie hat einen anderen Rhythmus. Sie bringt mich in ein Land der Träume. Der kurzfristigen und bald vergessene Träume. Schön sind diese trotzdem. 

Ich steig aus, das Gefühl ist hier, 5 Stationen weiter, direkt ein anderes. 

Ruhiger. Fern ab vom Touristentumult. Weniger Menschen. 

Es erscheinen wieder andere Geräusche. Ich gehe in die nächstgelegene Seitenstraße, das Bahngeräusch ebbt ab, es gibt kaum Autos, vereinzelt Menschen, Bauarbeiter, eine Frau mit Hund. Ein junger Mann mit Kopfhörern, ein Mann mit Aktentasche, sie ziehen in ihrem jeweiligen Tempo vorbei, manche Lächeln. Die Bauarbeiter sind ein bisschen entfernt an einer großen Baustelle beschäftigt. 

Ich gucke mir die Häuser an und verliebe mich in eins ganz besonders, denn dort sitzt eine Frau auf ihrem Balkon mitten in der prallen Sonne. Gegen 15 Uhr Ende Februar bei 14°C. Sie liest und genießt und ich würde am liebsten neben ihr sitzen, ebenfalls lesend und die Sonne aufsaugen.

Ich kann nicht ewig nach dort oben gucken, also gehe ich in die Seitenstraße zurück und bis zum Ende. So laufe ich direkt auf eine super süße Buchhandlung zu. Vor ihr, an Tischen, trinken ein paar Leute Kaffee und genießen die Sonne, ebenfalls mit einem Buch in der Hand. 

Es ist schön zu sehen, dass die Menschen noch lesen.

Ich stöbere auch ein bisschen durch das relativ kleine aber sehr gemütliche Zimmer der „Buchhandlung Montag“ und entdeckte ein Buch, wo mich die Geschichte interessiert. (‚Die Tante’ von Ann Patchett) Ich behalte mir den Titel im Kopf, beim nächsten Besuch werde ich es kaufen.

Ich laufe die Straße in eine Richtung -mit der Sonne im Rücken- weiter entlang, entdecke viele asiatische Restaurants, ein Kiosk-Café, eine Bäckerei, ein sehr süßes Café mit dem Namen „FRIEDL – Rösterei und Kekse“ und an der Ecke einen Blumenladen, der zu keiner Kette gehört. 

Das individuelle Stadtteilgefühl brutzelt stark in meinem Herzen und in meiner Seele, das Gefühl des Nachhause gekommen seins brodelt in mir. Ich fühle mich einfach direkt wohl hier.

Ich biege nach links, und vor mir erstrecken sich weitere viele kleine Restaurants und Cafés. 

Kurz vor dem Ende der Straße gibt es einen frischen Obst- und Gemüsehändler und vor meinem inneren Auge sehe ich mich selbst den Laden „leer kaufen“. Ich möchte alles probieren, weil alles so lecker und frisch aussieht. So wie ein Wochenmarkt, nur jeden Tag und zu anderen Uhrzeiten geöffnet. 

Dann, am Ende der Straße gibt es ein etwas größeres Eckcafé, auch mit Sitzmöglichkeiten draußen. Leider waren diese schon im Schatten und im Februar ist es dann doch ohne Sonne etwas zu frisch. Aber eine schöne Möglichkeit für wärmere Monate. Kurz nachdem ich um die Ecke -nach links- abgebogen war, zeigte sich mir ein weiteres sehr süßes Café mit tollem Frühstücksangebot. Ich ging die Runde zu Ende und anschließend zurück zur Tram.

Sie brachte mich durch ein anderes Universum, zurück in laute, unruhige Gebiete und das vorherige Umherlaufen wirkte wie ein Traum.

Mehr Fotografien findet ihr hier.

© Words & Photography by Eleni Kritikos

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